Nachgebohrt in sechs Metern Tiefe

Die Baustelle des neuen SySS-Campus liegt in einem während des 2. Weltkriegs bombardierten Areals: Eine Kampfmittelsondierung soll Gefahren für die anstehenden Tiefbauarbeiten ausschließen

Von oben, aus Sicht der Baustellen-Webcam lässt sich der Grundriss des künftigen SySS-Firmengebäudes schon erahnen: Wie eng nebeneinander aufgeworfene Maulwurfshügel wirken die zahlreichen Bohrlöcher an den Stellen, wo in Kürze Rüttelstopfsäulen an jenen Stellen des Baugrunds eingebracht werden, die später die Last des Gebäudes tragen sollen. Bei diesen Tiefbauarbeiten entstehen Vibrationen, die im schlimmsten Fall einen eventuell noch in der Erde verborgenen Blindgänger zum Explodieren bringen könnten.

Die Baustelle für den künftigen Campus der Tübinger Pentest-Experten befindet sich im Umkreis des ehemaligen Güterbahnhofs, der sowohl 1944 als auch 1945 das Ziel alliierter Bombenangriffe war. Auf Luftbildaufnahmen lässt sich erkennen, dass auch im Bereich der SySS-Baustelle Sprengbomben abgeworfen wurden. Ein Gefährdung durch Blindgänger in einem solchen „bombardierten Bereich“ ist deshalb gegeben.

Auf der SySS-Baustelle sorgte nun in der Woche ab dem 4. April die Firma TERRASOND Kampfmittelräumung GmbH aus Günzburg dafür, dass bei den anstehenden Tiefbauarbeiten niemand zu Schaden kommt. „Wir sind seit diesem Montag dabei, eine entsprechende Bohrlochsondierung durchzuführen“, berichtet Thomas Wagner von TERRASOND, der als ausgebildeter Feuerwerker die Arbeiten leitet. „Die Bohrstellen wurden von einer speziellen Vermessungsfirma GPS-genau markiert. Dabei wird ein Radius von 90 Zentimetern rund um jede geplante Rüttelstopfsäule abgedeckt.“

An jedem dieser mit Markierungsspray auf den Boden gesprühten Punkte setzt dann der Bohrer an. Die Bohranlage, eine Endlosschnecke, wird am Baggerarm aufgesetzt und windet sich dann langsam, aber sicher in eine Tiefe von 6 Metern, wie man auch im Video gut erkennen kann. Ist das Loch einmal gebohrt, folgt die Messung per Sondenstab. Zum Schutz der teuren Technik wird zunächst ein blaues Kunststoffrohr eingeführt und erst danach die ferromagnetische Sonde, über die sich Eisenteile im Erdreich orten lassen. 382 Löcher haben Wagner und seine Kollegen auf der SySS-Baustelle in dreieinhalb Tagen gebohrt und per Sonde geprüft.

„Das kann ein Fahrradlenker sein, aber auch eine Bombe“, so Wagner. Und was passiert, wenn man beim Bohren tatsächlich direkt auf eine Bombe stößt? „Der Bohrer hält zwar nicht an, aber man merkt als Baggerführer, dass da etwas war. Das ist ein Erfahrungswert. Ich merke, ob ich da unten auf Metall bohre oder es nur normaler Fels ist.“ Und die Gefahr, dabei in die Luft zu gehen? Die schätzt Wagner enorm niedrig ein: „Bei einer normalen Bohrsondierung müsste es schon enorm blöd laufen, wenn man etwa direkt den Zünder erwischt. Aber ich würde sagen: Bevor das passiert, hat man vorher zweimal im Lotto gewonnen.“ Anders wäre dies jedoch bei einem sogenannten Blindgängerverdachtpunkt: „Dann würden wir in jedem Fall mit einem gepanzerten Bagger arbeiten.“

Die detaillierte elektronische Auswertung der von der Sonde gelieferten Messdaten, der sogenannten Bohrlochkurven, ist mittlerweile abgeschlossen. So können die Fundamentarbeiten auf der SySS-Baustelle planmäßig in der 16. Kalenderwoche ab dem 18. April beginnen.


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